t  h  o  m  a  s    nitsch
Neutra
Richard Neutra - der Baumeister des "Allsinnlichen".
Richard Neutra, geboren am 8. April 1892 in Wien ist für mich DER Vertreter der "klassischen Moderne". Jedoch ist seine Architektur nicht immer gern gesehen. Zu kühl, zu unsinnlich, "betonierte Schuhkarton-Architektur" die in keinster Weise in seine Umgebung eingepasst ist, sagen die Kritiker.
Jedoch beim genauen hinsehen baute Neutra wie kaum ein anderer Architekt für den positiven Einfluss der Umgebung auf den Menschen. Spürbar bei seinen heute ikonischen südkalifornischen Flachdachvillen, die er nach zeitraubenden Erkundungen ganz auf die Gewohnheiten und Bedürfnisse der Bewohner abstimmte. Und es ist unübersehbar bei einem Teil seiner Bauten, der uns wesentlich näher ist, bei seinen europäischen Spätwerken.
Neutra, als erster Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie geboren, hat er unter anderem bei Adolf Loos in Wien studiert. Anfang der zwanziger Jahre arbeitete er bei Erich Mendelsohn in Berlin, bevor Neutra zusammen mit seiner Frau 1923 in die USA emigrierte. Nach kurzer Mitarbeit im Büro von Frank Lloyd Wright stieg er in Los Angeles schon bald zu einem der führenden Architekten der USA auf. Erst 1958, gut 30 Jahre nach seinem Weggang, hatte Richard Neutra wieder hier in Europa zu arbeiten begonnen. An einem Ferienhaus in Ascona, oberhalb des Lago Maggiore. Weitere Aufträge folgten. So entstanden in den sechziger Jahren acht Villen - zwei davon in Wuppertal - und Wohnhaussiedlungen in Walldorf bei Frankfurt und im schleswig-holsteinischen Quickborn.
Alle europäischen Bauten Neutras variieren in den typischen Elementen seines Stils. Die "Spider Leg" genannten, über die Außenwand hinausragenden Deckenbalken, die in einer Stütze enden, die verschattenden Lamellen-Konstruktionen, den Einsatz von reflektierenden Wasserflächen, Spiegeln und großen Glasflächen, die Wohnraum, Garten und Landschaft miteinander verschränken. "Ein richtig entworfenes Haus", so Neutra, "ist eben nicht ein statisches Gehäuse, sondern ein Spiegel des Naturgeschehens darum herum, und gerade dadurch eine immer neue Seelenerfrischung."
Basierend auf anthropologischen Erkenntnissen konzipierte er sein "biorealistisches Bauen", das den Respekt gegenüber der Natur des Menschen und seiner natürlichen Umgebung über funktional-technische Möglichkeiten stellte. Die Entwurfszeichnungen dazu kommentierte er handschriftlich bis hin zu Details wie "Vorhänge: limonengrün". Manchmal klebte er in die Skizzen auch Fotos ein, die Fensterausblicke genau vorhersagten.
Neutra erklärt anschaulich die Prinzipien seines Bauens so: Alle sensorischen Aspekte seien zu bedenken. Wie entfaltet sich der Klang eines Klaviers? Wie riechen Hölzer oder Lacke? Wie fasst sich ein Treppengeländer an? Und wie erleben Kleinkinder den Wechsel von Stein- und Teppichböden?
Der Baumeister des "Allsinnlichen", wie er es nannte, besuchte am 16. April 1970 während einer Vortragsreise das von ihm entworfene Haus Kemper in Wuppertal. Dort erlitt er einen Herzinfarkt, dem er erlag. Es gibt Mutmaßungen, dass er sich über einen benachbarten Neubau zu sehr echauffierte.
Neutra´s Meisterwerk in USA - Haus Kaufmann 1947
Palm Springs Palm Springs Palm Springs
... und in Bervery Hills Haus Kronish(1955)
Beverly Hills Beverly Hills Beverly Hills
Villen in Wuppertal - Haus Kemper (1967) und Haus Pescher (1968)
Wuppertal Wuppertal
Haus Rang in Königsstein / Taunus (1961)
Königstein Königstein Königstein
In Wengen / Schweiz das Haus Rensch (1964)
Wengen Wengen
In der Schweiz - Casa Ebelin Bucerius (Brione) und Casa Tuia (Ascona)
Schweiz Schweiz Schweiz
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