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Schriftzug Egon Schiele
Egon Schiele (* 12. Juni 1890 in Tulln an der Donau; † 31. Oktober 1918 in Wien an den Folgen der spanischen Grippe) war ein österreichischer Maler des Expressionismus und zählt neben Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zu den bedeutendsten bildenden Künstlern der Wiener Moderne.

In über 2000 Aktdarstellungen hinterfragt Schiele häufig die Grenzen was in dieser Zeit als darstellungswürdig erscheint. Mit der Interpretation seiner Modelle sowie 170 Selbstinszenierungen stellte Schiele regelmäßig das Ziel der Kunst in Frage immer nur das "Schöne" und "Ideale" darzustellen.

Seine Art der Selbstdarstellung soll lediglich eine Variantenvielfalt der Erscheinung und des Auftritts darstellen und auf keinem Fall eine Aussage über seinen Gemütszustand oder seine Persönlichkeit sein.

Als auffälligstes Beispiel gilt "Eros", ein onanierendes Selbstbildnis. Abstoßend, dunkle Farben, hautkrank, verwirrt und am Rande der Gesellschaft. So schlüpft er lediglich in eine seiner Rollen und stellt nicht sein intimes Sexualleben dar. Auch in den meisten seiner Aktdarstellungen reagiert Egon Schiele auf die Tabus seiner Zeit mit dem Ziel die Grenzen was in dieser Zeit als "darstellungswürdig" erscheint zu durchbrechen.
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Durch auffälligen Posen, verkrampfte Haltung der Hände, gespreizte Finger, faltiger Stirn und unrealen Körperhaltungen ging es Schiele oft um eine Verspottung des Wahren. Durch inszenierte "Hässlichkeit" fordert Schiele den Schönheitskult der Kunst heraus.
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Viele Werke wurden im Querformat gezeichnet und erst durch die Richtung seiner Signatur in der Ansicht "umorientiert". Die dadurch entstehende Verwirrung der Perspektive für den Betrachter ist eines der Markenzeichen von Schieles Kunstverständnis.
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"Schiele mit Aktmodell vor dem Spiegel (1910)"

Die Zeichnung zeigt das Modell mit dem Rücken
zu Schiele und gleichzeitig das Spiegelbild
inklusive dem Zeichner.

Zwei räumliche Situationen treffen in einem Bild aufeinander. Der Spiegel selbst ist nicht zu sehen.
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„Und sollt ich dich jetzt noch nicht lieben,
so sieh Dir meine Augen an,
In dessen Innern steht’s geschrieben,
Daß das nicht ist, ein kurzer Wahn.

Und solltest Du mir’s noch nicht glauben,
Daß ich zu lieben dich begann,
So sieh Dir meine Lippen an -
Die werden manchen Kuss Dir rauben.“


Diese innigen Zeilen sind Teil eines Gedichtes, das der damals sechzehjährige Egon Schiele an ein bislang unbekanntes Mädchen namens Margarethe Partonek richtete. Die Gedichte und Liebesbriefe an „Gretl“ dokumentieren, dass Egon Schiele neben seinem außergewöhnlichen bildnerischen Talent auch über eine erstaunliche sprachliche Begabung verfügte.
Schiele besaß bereits als Knabe ein ausgezeichnetes Sprachgefühl, war geistreich, witzig und kreativ. Tatsache ist, dass er die Sprache für sein Selbstverständnis als Künstler dringend brauchte und Wert darauf legte, dass das von ihm Geschriebene in gleicher Weise geschätzt wurde wie das Gezeichnete und Gemalte. „Alles von meiner Hand, sei es gemalt, gezeichnet oder geschrieben, was ich in den letzten zwei oder drei Jahren herausgab, soll ein Hinweis auf das "Kommende" sein.“ (Egon Schiele, Brief an Leopold Czihaczek 1911)
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